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10 Tipps zum sinnvollen Loben

Foto: Heike Brandl
Schau mal Mama!

Im Rahmen eines Webinars kamen wir letzte Woche auf das Thema „Loben“. Ich erklärte den TeilnehmerInnen, was ich dabei für wichtig halte:

 

1.    Reduzieren Sie die pauschalen Lob-Wörter wie „toll – klasse – spitze – gut gemacht – schön - super“ und benennen Sie ganz konkret.

 

2.    Beschreiben Sie was Sie beobachten, zum Beispiel bei einem Kindergarten-Kind „Ich sehe, dass du jetzt die Tür allein aufschließen kannst.“

 

Dabei ließ ich es erst einmal bewenden, denn es war nur ein Thema am Rande. Doch dann ist mir ein paar Tage später noch ein Bild dazu begegnet, worin es auch um Alternativen zu diesen Lobwörtern ging. So dachte ich spontan, das soll wohl so sein, also mach was draus! Ich hatte die Idee zu einem Aushang dazu für Eltern in einer Kita. Ich überlegte, recherchierte und fasste zusammen. Doch dann – bevor ich es aufhängen konnte, beobachtete ich mich nochmal selbst dazu. Und ich merkte, dass ich – und Eltern und Erzieherinnen in meinem Umfeld - ganz oft in diese Spontanitäts- und Gewohnheits-Falle tappte. Na sowas.

 

Wann immer ein Kind etwas zeigt, was gebaut, gemalt oder geschafft hat, reagieren wir Erwachsenen mit „Oh, das ist aber schön geworden, klasse.“ und den anderen oben genannten Lobwörtern. Ebenso reagieren wir, wenn das Kind etwas macht, wozu wir es eben aufgefordert haben oder was wir einfach erwarten.

 

Ist das sinnvoll, ein Kind den ganzen Tag zu loben?

 

Okay, Kritik üben ist jetzt keine Alternative. Doch worum geht es denn hier dem Kind wirklich, wenn es von sich aus auf uns zukommt? Hier geht es in der Regel darum, die Aufmerksamkeit, Zuwendung und Wertschätzung des Erwachsenen zu bekommen.

 

Diese können wir auf unterschiedliche Weise zeigen:

 

3.    Wenden Sie sich dem Kind zu.

 

4.    Suchen Sie den Blickkontakt. Leuchtende Augen vermitteln genau so viel Stolz wie ein „spitze“.

 

5.    Schenken Sie ihm ein Lächeln, ein Nicken, Körperkontakt je nach Alter und Anlass. Der 12jährige findet eine Umarmung vor seinen Freunden möglicherweise uncool.

 

6.    Eine offene Frage signalisiert Ihr ehrliches Interesse: „Wie bist du auf diese Idee gekommen?“ – „Bist du zufrieden mit dem Aufsatz?“

 

Wie kamen wir bloß auf die Idee, dass Loben so wichtig sei?

 

„Du kannst gar nicht genug loben, das braucht dein Kind für sein Selbstbewusstsein.“ Ich weiß nicht, wer diese Theorie in die Welt gesetzt hat, doch hängt es vielleicht mir der Kindheit der jetzigen Eltern- und Großelterngeneration zusammen. Lob gab es nur für besondere und hervorragende Leistungen. „Folgen“ war selbstverständlich, ebenso je nach Alter kleine und große Aufgaben in Haushalt, Garten, Hof oder Betrieb mit zu übernehmen. Wer dem nicht nachkam, wurde geschimpft, bekam eine Standpauke oder auch ein paar Ohrfeigen. Kritik und Rügen war an der Tagesordnung. So gab es möglicherweise den Schwenk zum Gegenteil. Übermäßiges Lob für Kleinigkeiten, übermäßiges wichtig nehmen von (altersgemäßen) Entwicklungsfortschritten bis hin zum übermäßigen Schützen vor Erfahrungen (solchen, aus denen Kinder etwas lernen).

 

Wie wir Selbstwirksamkeit stärken können

 

Selbstvertrauen ist wichtig. Doch es entsteht nicht durchs Loben. Es wächst, wenn das Kind merkt, dass es selbst etwas gelernt – geschafft – erreicht hat. Es erfährt dabei seine Selbstwirksamkeit. 

"Unter Selbstwirksamkeit (self-efficacy beliefs) versteht die kognitive Psychologie die Überzeugung einer Person, auch schwierige Situationen und Herausforderungen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können. Geprägt wurde der Begriff von dem amerikanischen Psychologen Albert Bandura." 1

Mein Sohn ist erfolgreicher Leistungssportler. Das ist er nicht, weil wir ihn für seine Leistungen gelobt haben. Er hat es soweit geschafft, weil er es sich zugetraut hat (neben einigen anderen Bedingungen wie Talent, Ehrgeiz und Disziplin). Trauen Sie dem Kind erreichbare Aufgaben zu, bestärken Sie es darin, dass es etwas schaffen kann. Stärken Sie dieses Vertrauen in sich selbst, in dem Sie dem Kind seine Herausforderungen deutlich machen. 

 

7.    Benennen Sie konkret, was Sie wahrnehmen, die Anstrengung, mögliche Widerstände, die Handlung, das Ergebnis, die Gefühle des Kindes, z.B. „Ich habe gesehen, wie du es gerade so geschafft hast, da hoch zu klettern. Du hast bestimmt deine ganze Kraft gebraucht. Du siehst richtig stolz aus.“

 

Welche Folgen hat nun übermäßiges Lob?

 

Manche Menschen sagen, „Lob dein Kind nicht ständig, du verwöhnst es und es wird abhängig von deinem Lob.“ Da ist etwas dran. Lob kann auch süchtig machen. Wer ständig und übermäßig Lob bekommt, kann schlecht damit umgehen, wenn es ausbleibt.

 

Ist das Kind nur noch bereit, bestimmte Aufgaben oder Alltagshandlungen zu erledigen, wenn es dafür Lob oder Belohnungen bekommt, wird klar, dass wir auf gefährlichem Terrain unterwegs sind. Wollen wir uns erpressen lassen? Oder finden wir es tatsächlich gut, das Kind zu erpressen? Wer Leistung nur gegen Lob zeigt, dem fehlt letztlich die innere, sogenannte intrinsische Motivation.

 

Wie wir Fremdwahrnehmung fördern können

 

Verhalten wirkt sich jedoch nicht immer nur auf das Kind selbst aus. Niemand ist eine Insel, heißt eine Redewendung. Für Kinder ist es eine große Lernaufgabe, zu erkennen, dass sie nicht immer und überall das Zentrum der Welt sind. Sie beeinflussen mit ihrem Tun und Lassen das Leben anderer Menschen. Daraus ergibt sich ein weiterer Punkt:

 

8.    Zeigen Sie dem Kind auf, welche Auswirkungen sein Handeln auf andere hat, z.B. „Du hast Tim die Schaufel gegeben. Sieh mal, wie er sich jetzt freut.“

 

Hier ist kein Lob notwendig, sondern eine Beschreibung der Folgen des kindlichen Handelns. Daraus kann das Kind wiederum Schlüsse für sein künftiges Handeln ziehen.

 

Warum Danken sinnvoll ist

 

„Ich danke dir.“ ist ein Satz, mit dem wir uns dem Gesprächspartner ganz zuwenden, ihm unsere volle Aufmerksamkeit schenken. Er bedeutet weit mehr als das kurze „danke“ im Vorbeigehen. Damit zeigen wir dem Kind unsere Wertschätzung. Das liegt an den persönlichen Fürwörtern „ich“ und „dir“. Sie schaffen die Verbindung zwischen uns. Und wir sind dem Kind ein gutes Beispiel. Sprache steckt an.

 

9.    Für ein freundliches, hilfsbereites Verhalten ist kein Lob, sondern ein Dank sinnvoll, z.B. „Ich danke dir, dass du den Tisch gedeckt hast. So können wir gleich mit dem Essen beginnen.“

 

Abgesehen davon hat danken ausgesprochen positive Wirkung auf den Sprecher selbst. Welche das sind, lesen Sie in meinem Artikel vom Juni 2018.

 

Zum guten Schluss will ich noch auf einen Punkt hinweisen, der einer ausführlichen Betrachtung würdig ist. Daher werde ich im nächsten Monat darauf eingehen.

 

10. Verzichten Sie auf Bewertungen, wie „Gestern war es aber schöner – höher – besser.“ oder „Das ist schon recht gut, aber Tim kann es besser …“

 

Zurück zu meinem eigenen „Lob-Verhalten“

 

Wie kann ich das künftig so machen, wie ich es jetzt zusammengestellt habe? Auch bei mir lässt sich kein Schalter umlegen, so dass ich alles plötzlich perfekt mache. Den ersten Schritt habe ich schon getan. Durch die bewusste Auseinandersetzung mit dem Thema und dem Aufschreiben habe ich bereits einen ersten Lerneffekt erreicht. Nun werde ich so vorgehen wie immer, wenn ich etwas neu in meiner Sprache entwickeln will:

  • Ich werde bei anderen Menschen beobachten, wie sie damit umgehen.
  • Dann werde ich mir selbst genauer zuhören. Welches sind meine typischen Redewendungen, die ich ersetzen will?
  • Und dann werde ich nach und nach einzelne Punkte in meine Alltagssprache aufnehmen. Dafür werde ich mir gezielt Situationen auswählen, in denen ich das üben kann.

So wird es mir sicher gelingen. Und so wird es auch Ihnen gelingen.

 

Link:

  1 https://www.psychomeda.de/lexikon/selbstwirksamkeit.html

 

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