· 

Mit eindeutigen und klaren Aufforderungen erfolgreich führen

Foto: Heike Brandl
Um eine Wandergruppe auf den Gipfel zu führen, braucht es klare Ansagen

Kennen Sie die „Wischi-Waschi-Sprache“? Das klingt lustig, ist es jedoch gar nicht. Was bedeutet das? Viele Menschen wollen besonders höflich sein oder scheuen sich, klare Ansagen zu machen. Sie stellen dann Fragen im Tonfall einer Aufforderung und benutzen Konjunktiv II-Formen. Zur „Wischi-Waschi-Sprache“ gehören auch Sätze mit „man“, „sollte“ und Füllwörtern. Erfolgreiche Menschen haben eine klare und eindeutige Sprache: Ihr Wortschatz ist sinnkonform, Satzbau und Grammatik entsprechen ihrer inhaltlichen Absicht und die Sprachmelodie passt zur Satzart.

 

Das ist doch nur für Führungskräfte ...

Sie meinen, Sie seien keine Führungskraft? Sind Sie Eltern? Erzieherin? Lehrkraft? Haben Sie Auszubildende, Praktikanten und Aushilfen in Ihrem Verantwortungsbereich? Geben Sie Aufträge an Handwerker? Bestellen Sie Essen im Restaurant? Haben Sie schon einmal telefonisch etwas reklamiert? Selbstverständlich sind Sie Führungskraft!

 

In all diesen Situationen und Rollen, die Sie einnehmen, ist eine klare Führung hilfreich und wird Sie sicher zum Erfolg führen. Ihre Gesprächspartner – ob Kinder, Azubi oder Maler – sie alle sind froh über eine klare Ansage. Sie wissen dann, woran sie sind, haben eine Orientierung und können sich in ihrem Handeln darauf einstellen. Missverständnisse und Fehlinterpretationen bleiben aus.

 

Was Führungskräfte so sagen …

  • „Könnten Sie mir bitte die Unterlagen der Fa. Müller bringen?!“
  • „Du solltest mal wieder dein Zimmer aufräumen!"
  • „Geben Sie mir bitte bis Mittwoch Bescheid?“
  • „Ich würde die Sitzung gerne pünktlich beenden.“
  • „Kannst du nicht mal deinen Mund halten?!“
  • „Ich hätte die Küche gerne hellgrün gestrichen.“
  • „Könnten Sie mir bitte einen Kaffee bringen?“
  • „Du kannst dann Pause machen.“

Wer eine Frage stellt, der gesteht dem Gesprächspartner eine Antwort zu. Diese kann „ja“ oder „nein“ sein. Das ist nicht immer sinnvoll.

 

Was ist grammatikalisch korrekt?

Wir haben in der deutschen Sprache drei Satzarten: den Aussagesatz, den Fragesatz und den Aufforderungssatz. Die Satzarten sind in ihrer Absicht und in ihrer Sprachmelodie grundverschieden.

 

Im Aussagesatz heißt es: „Frau Stamm schreibt das Protokoll.“

Am Ende steht ein Punkt. Mit Aussagesätzen beschreiben wir Gegebenheiten und Sachverhalte und geben Informationen weiter. Am Ende des Satzes senken wir unsere Stimme.

 

Im Aufforderungssatz heißt es: „Frau Stamm, bitte schreiben Sie das Protokoll!“

Hier steht am Satzende ein Ausrufezeichen. Mit Aufforderungssätzen wollen wir eine Handlung bewirken. Die Sprachmelodie geht dabei am Satzende leicht herunter und die Stimme klingt bestimmt.

 

Für den Fragesatz gibt es mehrere Varianten: „Frau Stamm, schreiben Sie das Protokoll?“ oder auch: „Schreibt Frau Stamm das Protokoll?“

Am Ende des Fragesatzes steht ein Fragezeichen. Mit einem Fragesatz wollen wir eine Antwort von unserem Gesprächspartner. Die Stimme bleibt am Satzende oben. Je nach Satzart haben wir eine andere Absicht.

 

Daher ist der erste Schritt zur klaren Kommunikation folgender:

Klären Sie für sich was Ihre Intention ist! Was wollen Sie? Wollen Sie mit Ihrem Gesprächspartner plaudern, ihm eine Information geben, einen Auftrag erteilen oder eine Antwort auf Ihre Frage bekommen? Wählen Sie entsprechend Ihrer Intention die richtige Satzart!

 

Welche Schritte sind vorab noch sinnvoll?

Wer schon einmal ein Seminar bei mir besucht hat oder bereits länger hier mitliest, kennt natürlich den zweiten Schritt zur klaren und wertschätzenden Kommunikation: Das ist die wertschätzende Kontaktaufnahme. Sprechen Sie Ihren Gesprächspartner freundlich mit dem Namen an! So weiß dieser sicher, dass er gemeint ist und Sie bringen damit Ihre Wertschätzung zum Ausdruck.

 

Das macht es anschließend leichter auf vermeintliche Höflichkeitskonstruktionen zu verzichten. Diese überflüssige und häufig verwirrende Höflichkeit ist in der Regel im Konjunktiv II, der Möglichkeitsform, zu finden: „Könntest du? – Ich würde gerne – Ich hätte gerne – Wir sollten – Ich möchte – Dürfte ich Sie bitten? – Wäre es möglich?“ Sie brauchen sich nicht hinter falsch gebrauchten Konjunktiven und Fragen zu verstecken. Mit einer bewussten Sprache ist es möglich, gleichzeitig klar und wertschätzend zu sein. Wenn Sie wertschätzend sind, ist es für Ihre Gesprächspartner auch in Ordnung, wenn Sie klar und deutlich sagen, worum es geht. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Ich halte es für wertschätzend, wenn ich dem Angesprochenen klar sage, was ich will. 

Natürlich ist in den meisten Fällen ein „bitte“ angebracht. Damit ist der Höflichkeit genüge getan.

 

Oftmals braucht der Gesprächspartner noch eine zusätzliche Rahmeninformation. Setzen Sie ihn ins Bild! Worum geht es gerade? Dann wird es ihm gelingen Ihnen leicht zu folgen.

Foto: Heike Brandl
Achtung! Bleiben Sie vom Ufer fern und gehen Sie hier nicht ins Wasser! - Auch das ist eine klare Aufforderung

 

 Wie klingen dann die eindeutigen und klaren Aufforderungen?

 

Wischi-Waschi-Sprache

Klare Aufforderung

„Könnten Sie mir bitte die Unterlagen der Fa. Müller bringen?!“

„Frau Winter, bitte bringen Sie mir die Unterlagen der Fa. Müller!“

„Du solltest mal wieder dein Zimmer aufräumen!“

„Tim, morgen will ich saubermachen. Bitte räume bis heute Abend den Boden in deinem Zimmer frei.“

„Geben Sie mir bitte bis Mittwoch Bescheid?“

„Herr Simon, am Donnerstag werde ich die Bestellung aufgeben. Bitte geben Sie mir deshalb bis Mittwoch Bescheid!“

„Ich würde die Sitzung gerne pünktlich beenden.“

„Wir alle haben einen langen Tag hinter uns. Bitte fasst euch beim letzten Tagesordnungspunkt kurz! Dann werden wir pünktlich mit der Sitzung fertig sein.“

„Kannst du nicht mal deinen Mund halten?!“

„Martin, sei jetzt still!“

„Ich hätte die Küche gerne hellgrün gestrichen.“

„Herr Braun, bitte streichen Sie meine Küche hellgrün!“

„Könnten Sie mir bitte einen Kaffee bringen?“

„Guten Tag, bitte bringen Sie mir einen Kaffee!“

„Du kannst dann Pause machen.“

„Jan, räum dieses Regal fertig ein und anschließend mach bitte deine Pause!“

 

Dies sind Beispielsätze. Natürlich ist manches situationsabhängig. Wir wissen nicht, wie alt Tim in meinem Beispiel ist, ob die Regale auch gewischt werden sollen, ob er das schon selbst kann usw. Manchmal gibt es Alternativen. Die Lehrkraft könnte Martin fragen, ob er eine Information von ihr braucht, sie könnte ihn auch kurzzeitig an einen anderen Platz setzen. Wichtig ist, dass die Wertschätzung erhalten bleibt und genervte Untertöne unterbleiben. Wer laut wird oder ironisch, dem fehlt die Souveränität in der Führung.

 

Führungskräfte, Eltern, Pädagogen – ihnen allen wird es mit Präsenz, Klarheit und Wertschätzung gelingen, leicht zu führen. Werden Sie sich über Ihre Absicht klar und benutzen Sie dann die richtige Satzart! Wollen Sie jemand zu einer Handlung oder Verhaltensänderung bringen, brauchen Sie die eindeutige und klare Aufforderung. Sie werden staunen, welche Wirkung Sie damit erzielen werden. Mit klaren Aufforderungen strahlen Sie Kompetenz und Souveränität aus.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0