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Mein Kind hört nicht auf mich - 5 Tipps, wie das garantiert so bleibt

Aufräumen ist für Eltern und Kinder immer ein großes Vergnügen und endet daher meist damit, dass alle rundum glücklich und zufrieden sind. Oder etwa nicht? Stell dir vor, du willst dein Kind (ca. 4 - 10 Jahre) zum Aufräumen seines Zimmers bewegen. Hier gebe ich dir 5 Tipps, wie aus dem Aufräumen garantiert nichts wird und dein Kind auch nicht auf dich hören wird.

 

1. Geh völlig planlos in den Dialog!

Wozu nachdenken? Am besten platzt du einfach mitten ins Spiel deines Kindes und meckerst mal drauflos:

 

"Wie sieht´s denn hier schon wieder aus? Ich hab dir doch gesagt, du sollst aufräumen. Jede Woche das gleiche Chaos. Würdest du endlich mal anfangen? Und wehe, wenn ich wiederkomme, dann ist hier aber Ordnung! Sonst kannst du das Fernsehen/Computerspielen/Training (wahlweise) vergessen!"

 

2. Ruf quer durch die Wohnung!

Am sichersten erreichst du dein Kind, wenn du quer durch die Wohnung schreist, was es tun soll. Dein Kind hat ja schließlich Ohren am Kopf. Es braucht dich auch nicht zu interessieren, ob es gerade spielt, liest, Musik hört oder Computer spielt. Konzentration wird überbewertet. 

 

3. Geh davon aus, dass dein Kind hellsehen kann!

Ist doch klar, dass dein Kind schon weiß, dass du morgen sauber machen willst und bei der Freundin/ Mutter/ Schwiegermutter/ deinem neuen Freund einen guten Eindruck hinterlassen willst. Und sowieso ist es selbstverständlich, dass dein Kind haargenau die gleiche Vorstellung von Ordnung hat wie du! Überhaupt hätte sich dein Kind auch denken können, dass es gar nicht erst zu spielen, lesen ... hätte anfangen brauchen. Sondern wissen, dass du gleich auftauchen würdest und es bis dahin am besten schon aufgeräumt hätte. Und wie lange "wenn ich wiederkomme" ist, ist ja offensichtlich. 

 

4. Sprich möglichst vage, abwertend und ohne Punkt und Komma!

Ich wiederhole hier nochmal das Beispiel von oben: 

 

"Wie sieht´s denn hier schon wieder aus? Ich hab dir doch gesagt, du sollst aufräumen. Jede Woche das gleiche Chaos. Würdest du endlich mal anfangen? Und wehe, wenn ich wiederkomme, dann ist hier aber Ordnung. Sonst kannst du das Fernsehen/Computerspielen/Training (wahlweise) vergessen!"

 

Das ist ein perfektes Beispiel. Daran kannst du dich wirklich orientieren. Optional empfehle ich dir auch noch komplizierte Satzstrukturen und (noch mehr) Füllwörter einzubauen. Und lass dein Kind auf keinen Fall zu Wort kommen! Ach so, laut und drohend kommt auch immer gut.

 

5. Brich den Dialog einfach ab und lass dein Kind stehen!

Äh - Dialog? Ach so, war gar keiner? Wird auch überbewertet. Findest du ja auch immer klasse, wenn dich dein Chef so abkanzelt. An der Stelle hilft es außerdem, noch mehr Druck zu machen:

"Los jetzt, komm mal endlich in die Pötte, dalli, dalli!"

 

Alternativ kannst du dein Kind auch unterbrechen und zurück meckern:

"Das interessiert mich nicht! Jetzt wird aufgeräumt!"

 

Und wie kann es doch funktionieren mit der Kommunikation mit deinem Kind?

Orientiere dich an den 5 Schritten des LINGVA ETERNA Kommunikationsmodells!

  1. Intention:
    Was ist deine Absicht? Wenn du also ins Zimmer deines Kindes kommst und dort Handlungsbedarf siehst, gehe einfach nochmal raus! Überlege dir, wie ihr im Rahmen der verfügbaren Zeit zu einer für alle verträglichen Lösung kommen könnt. Und überlege dir, wann und wie du mit deinem Kind darüber sprechen kannst, so dass das Gespräch auch zum Ziel führt. Sprich: Fünf Minuten vor dem Weggehen/Abendessen/... lässt du es am besten sein und schonst eure Nerven. 

  2. Ansprache: 
    Sprich dein Kind freundlich aus der Nähe bzw. auf Augenhöhe mit dem Namen an, um seine Aufmerksamkeit zu erreichen. Stelle Blickkontakt her und warte, bis es wirklich bereit ist, dir zuzuhören.
    Tipp zur Vertiefung: 3A - In 3 Schritten zu mehr Aufmerksamkeit

  3. Rahmen: 
    Benenne sachlich und freundlich, was du siehst. Nenne kurz Gründe, die nachvollziehbar sind. Definiere Ordnung. Beispiel:
    "Niko, in deinem Zimmer liegt ganz viel saubere und schmutzige Wäsche auf dem Boden. Deine Bücher und Zeitschriften sind durcheinander und überall verteilt. Und die Naschtüten haben eine Bröselei hinterlassen. Heute Abend will ich noch die Wäsche waschen und morgen saubermachen. Mir ist es wichtig, dass du mit den Büchern achtsam umgehst."

  4. Diskurs:
    Sage klar und wertschätzend, was dein Kind (jetzt/nach dem Abendessen/...) tun soll. Gebrauche dafür einen kurzen Aufforderungssatz. Je nach Alter braucht es eine Zerlegung in Teilschritte, Begleitung und Unterstützung. Kläre, ob dein Kind Hilfe braucht/will. Schaffe eventuell einen Anreiz oder mach den Nutzen deutlich. Ein Diskurs ist ein Dialog, d.h. gib deinem Kind Gelegenheit, in den Austausch zu gehen. Nimm seine Antworten ernst und findet eine gemeinsame Lösung. Beispiel:
    "Ich sehe hier viele Aufgaben. Welche siehst du?" - (angenommen, dein Kind sagt "Bücher aufräumen", dann bestätige) "Genau, bitte stell alle Bücher zurück ins Regal!"  und so kannst du Schritt für Schritt formulieren: "Hm, was noch?" - "Die Comics." - "Ja, leg die Zeitschriften auf einen Stapel in diesen Korb!" usw.
    oder:
    "Komm, lass uns gemeinsam die Wäsche sortieren. Willst du die saubere in den Schrank räumen oder lieber die schmutzige in den Wäschekorb stecken?"

  5. Schluss:
    Bring euer Gespräch zu einem runden Abschluss. Verzichte dabei auf pauschales Lob (10 Tipps zum sinnvollen Loben). Benenne stattdessen, was das Kind geschafft hat (oder ihr gemeinsam), wie gut es sortieren kann, oder wie praktisch es nun für dich zum staubsaugen ist. Schaut euch nochmal bewusst das aufgeräumte Zimmer an. Je nach Alter: Klatscht euch ab oder drückt euch mal. 

 

PS: "Definiere Ordnung" ist ein Thema, das es außerhalb der konkreten Situation zu besprechen gilt. Je nach Alter und Chaos-Potential des Kindes helfen euch System, Beschriftung, Fotos und dir eine riesige Portion Geduld. Je näher die Pubertät rückt, desto mehr Selbstverantwortung sollte das Kind bekommen. Das gilt es dann für dich als Elternteil auch auszuhalten. Prozess und Übung für alle. Glaub mir, ich weiß wovon ich schreibe. Meine Kids waren auch phasenweise Genies, die das Chaos beherrschten ...

 

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