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Warum ich den Kartensatz "Die Kraft der Sprache" liebe

Kennst du diese "Sprachkarten"? Ich nutze sie für mich persönlich als Erinnerungshilfe für bestimmte sprachliche Themen und ich liebe es, sie in meinen Vorträgen und Seminaren einzusetzen.

Es handelt sich um die sogenannten Sprachkarten, genauer gesagt den Kartensatz „Die Kraft der Sprache – 80 Karten für den alltäglichen Sprachgebrauch“ (1).

 

ISBN 4260198990255
Kartensatz: "Die Kraft der Sprache"

Was ist auf den Sprachkarten „Die Kraft der Sprache“ zu lesen?

Du findest in einer kleinen Box 80 Karten, die typische Sätze aus unserer Alltagssprache wiedergeben. Es geht um Situationen in Familie, mit Kolleg:innen, Chef:innen, Freund:innen oder Nachbar:innen.

 

Im oberen Teil der Karte steht die geläufige Formulierung, im unteren Teil findest du eine mögliche Alternative. Es ist wichtig, dies als eine Alternative unter mehreren möglichen wahrzunehmen. Denn eine Formulierung ist immer abhängig von verschiedenen Faktoren: zum Beispiel vom Kontext, von der Gesprächspartnerin, ja, selbst vom Alter der Sprecherin. Auf der Kartenrückseite gibt es eine Anregung. Sie leitet dich dazu an, über deine Haltung, deine Gedanken und deine Ausdrucksweise nachzudenken.

 

„Jedes Wort hat eine Wirkung und schafft eine eigene Wirklichkeit. Misserfolg, Streit, Gewalt, Geldmangel und Krankheit beginnen beim Denken und Sprechen, und ebenso Erfolg, Frieden, ein liebevoller Umgang miteinander, Reichtum und Wohlbefinden.“ Mechthild R. von Scheurl-Defersdorf (im Begleitheft)

 

Konkret: Hier zeige ich dir zwei Beispiele aus dem Kartensatz

1. Beispiel der typischen Formulierung:

„Wir haben über die neue Kollegin geredet.“

Eine mögliche Alternative lautet:

„Wir haben von der neuen Kollegin gesprochen.“

 

Lasse die Sätze auf dich wirken. Wie würdest du an Stelle der Kollegin empfinden? Welche Werte transportieren die unterschiedlichen Formulierungen?

 

Als Anregung steht folgendes auf der Kartenrückseite:

„Redest du über jemanden, so erhebst du dich über ihn. Damit stellst du ein Gefälle her, das nach einem Ausgleich ruft. Irgendwann bist du unten und unterlegen.“

 

2. Beispiel: 

(bei einer Terminvereinbarung) „An diesem Tag kann ich leider nicht kommen.“

Eine mögliche Alternative lautet:

„An diesem Tag habe ich schon einen anderen Termin.“

 

Lasse die Sätze wieder auf dich wirken. Was ist der Unterschied? Gibt es unterschiedliche Reaktionen, Wahrnehmungen, Gefühle in dir zu den Sätzen?

 

Die Anregung zum Nachdenken auf der Kartenrückseite lautet hier:

„„Leider“ ist verwandt mit „Leid“. Mit dem gewohnheitsmäßigen Gebrauch von „leider“ lädst du dir immer wieder neues Leid in dein Leben ein. Lass es hinter dir.“

 

Foto: Heike Brandl
Karten aus dem Kartensatz "Die Kraft der Sprache" von Mechthild R. von Scheurl-Defersdorf

5 Gründe, warum ich diese Karten liebe

  1. Die Karten machen neugierig. Im Wartebereich einer Kita oder Arztpraxis, in der Kaffeeküche eines Betriebes – wo auch immer Menschen zusammenkommen: Ein Körbchen mit einer Auswahl von Karten macht neugierig auf das Thema klare und wertschätzende Sprache. Ein Gespräch kommt in Gang und jemand will mehr wissen.

  2. Sie bieten dir einen spielerisch-leichten Zugang zu alltäglichen Formulierungen. Du brauchst kein dickes Buch lesen, wo du auf Seite 150 schon die Tipps vom Anfang wieder vergessen hast. Du ziehst einfach eine Karte und schaust, ob sie dich anspricht oder ob das gerade ein Thema für dich sein kann. Und dann stellst du sie dir 4 Wochen auf deinen Schreibtisch oder machst sie mit einem Magnet an den Kühlschrank. So nimmst du sie eine Weile in den Blick und das Thema arbeitet in deinem Kopf vor sich hin. Die Gedanken sind sozusagen auf „Autopilot“. Auch bei mir steht immer wieder eine neue Karte auf dem Schreibtisch.

  3. Die Vielfalt der Themen ist einfach grandios. Manche Ausdrücke erschließen sich von selbst oder du hast auch schon mal davon gehört, z.B. dass „müssen“ ein Wort ist, welches Druck macht. Doch in dem Kartensatz „Die Kraft der Sprache“ sind garantiert auch Formulierungen, über die du noch nie im Leben nachgedacht hast.

  4. Die Rückmeldungen und Ideen zu einer Karte können ganz unterschiedlich sein. In einem Seminar erlebe ich oft, dass die Reaktionen auf ein und dieselbe Karte verschieden sind. Hier zeigt sich wiederum, dass Sprache ganz individuell ist. Was du mit einem Wort oder eine Redewendung verbindest, mag etwas völlig anderes sein, als bei anderen Menschen. Warum ist das so? Du hast ganz andere Erfahrungen, Erinnerungen und Erlebnisse mit bestimmten Wörtern. So wird uns im Seminar deutlich, wie Missverständnisse entstehen können oder welch unterschiedlichen Wirkungen sich ergeben. 

  5. Ich nutze die Karten als didaktisches Material, um im Seminar an einem bestimmten Thema zu arbeiten. Dazu wähle ich im Vorfeld eine geeignete Karte aus. Diese biete ich dann einer Teilnehmerin an und lasse sie mit dem Satz aus dem oberen Teil der Karte eine andere Teilnehmerin ansprechen. Ich frage die Angesprochene und zwei andere Personen nach der Wirkung dieses Satzes. Anschließend lasse ich den Satz aus dem unteren Teil der Karte vorlesen. Auch hier frage ich wieder nach der Wirkung bei der angesprochenen Person und zwei weiteren. Dabei ergeben sich manchmal gleiche, manchmal auch verschiedene Eindrücke. Das ist aufschlussreich und regt zum Nachdenken und zum Austausch an. 

Fazit:

Für meine Arbeit als Sprach- und Kommunikationstrainerin ist der Kartensatz „Die Kraft der Sprache“  nicht mehr wegzudenken.

 

Übrigens:

Entwickelt hat den Kartensatz Mechthild R. von Scheurl-Defersdorf, die Begründerin des LINGVA ETERNA Sprach- und Kommunikationskonzepts. Die Karten gibt es schon seit 2012 und mittlerweile in der 12. überarbeiteten Auflage.

Neben dem Kartensatz „Die Kraft der Sprache“ für alle gibt es noch Spezial-Editionen für Trainer, Coaches und Berater, Pädagogen und den Pflegebereich.

 

(1) Mechthild R. von Scheurl-Defersdorf "Die Kraft der Sprache - 80 Karten für den täglichen Sprachgebrauch" Vlg. LINGVA ETERNA, Erlangen 2020

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