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Werte und ihr Einsatz im Sprach- und Kommunikationstraining

Kürzlich erstellte ich eine Umfrage für Kita-Leiterinnen zum Thema Kommunikation. Eine Frage dabei war:

Welche Werte sind dir als Kita Leiterin wichtig?

 

Ich ließ dazu ein freies Textfeld mit der Möglichkeit offen zu antworten. So kamen ganz unterschiedliche Begriffe ins Spiel. Ich fasste sie in einer Wortwolke zusammen. Das heißt, zunächst vereinheitlichte ich zu Substantiven und fasste gleichbedeutendes zusammen. In Wortwolken werden häufig genannte Begriffe größer geschrieben als selten genannte Begriffe. So sah das Ergebnis aus:

Was sind überhaupt Werte?

Wie praktisch, dass mein Blog-Buddy Michaela Arlinghaus erst vor kurzem einen Artikel über den Unterschied von Werten und Bedürfnissen schrieb. Ich schaute mir die Links an und landete beim Projekt Werte 21, einer Webseite, die sich mit der Wertediskussion unserer Zeit befasst und alle Begriffe zum Thema erläutert. Ein wahrer Schatz, ich konnte mich kaum wieder auf meinen Artikel fokussieren. Hier wird jede:r fündig, die/der sich mit Leitbilderstellung, Mitarbeitermotivation und Unternehmenskultur befasst, oder sich im Coaching dem Thema widmet.

 

Also nochmal: Was sind Werte?

„Werte sollen uns Orientierung und Fokus auf sinnstiftende Wichtigkeiten schaffen.“ 

 

Im nächsten Schritt prüfte ich, ob es sich bei den genannten Begriffen tatsächlich um Werte handelt.

Einige Begriffe schloss ich aus:

Menschenrechte=Kinderrechte gehören zum Wert Gerechtigkeit, Liebe ist eher ein ganzes Wertesystem, Kinderzentriert zielt auf Empathie, ja manches ist nicht so einfach zu bestimmen.

 

Wertschätzung:

Das wird häufig genannt in der Wertediskussion, möglicherweise weil es den Wortteil „Wert“ in sich führt. Es ist jedoch eine Haltung. Im LINGVA ETERNA Sprach- und Kommunikationskonzept ist Wertschätzung eine der drei tragenden Säulen. Mit dieser Haltung gelingen Gespräche leichter. Für Einrichtungen und Betriebe ist die Wertschätzung durchaus von großer Bedeutung:

 

„Wertschätzung in Organisationen heißt insbesondere: "Aufmerksamkeit und Interesse zu zeigen bzw. besitzen sowie Respekt und wohlwollendes Feedback geben". Diese Geisteshaltung – vor allem zunächst von der Unternehmensführung – ist die Basis für eine gute und fruchtbare Unternehmenskultur.“ 

 

Kommunikation ist ebenfalls kein Wert, sondern einfach der Austausch von Informationen. Zweifellos ist dies auch in der Kita von großer Bedeutung. Es kommt jedoch auf das „WIE“ an. Auf das "WIE" haben deine Werte Einfluss. 

 

Die 5 wesentlichen Werte im Hinblick auf die Kommunikation in der Kita

1. Loyalität

Beschreibt ein treues, zustimmendes, interessiertes, vielleicht auch ergebenes Verhalten gegenüber  einer anderen Person oder zumeist einer Gruppe (Firma, Nation, Wertegemeinschaft, etc.). Loyalität entsteht, wenn es gemeinsame Werte, Rechtsauffassungen, Ziele und Herausforderungen gibt. 

 

Damit eine Leitungskraft die Loyalität ihrer Mitarbeiter:innen gewinnt, bedarf es klarer und wertschätzender Kommunikation. Möglicherweise ist jedoch dieser Wert in meiner Umfrage andersherum entstanden: Die Leitungskraft zeigt die Loyalität gegenüber ihren Mitarbeiter:innen im Gespräch mit Eltern oder Verwaltung, indem sie beispielsweise Fehler mitträgt.

 

2. Ehrlichkeit

Beschreibt die Eigenschaft, stets die Wahrheit zu sagen bzw. Unwahrheit zu unterlassen. In Ehrlichkeit steckt auch die Ehre. Das kann bedeuten, sich möglichst ehrenhaft zu verhalten und auf Manipulation zu verzichten.

 

Eine Führungskraft wird als solche respektiert, wenn sie ehrlich ist. Das heißt: Prüfe genau, welche Zusagen oder Versprechen du geben und einhalten kannst. Sage nur, was du auch meinst. Mitarbeiter:innen merken, wenn ein Lob unecht ist. Sei authentisch und halte dich an das, was du von anderen erwartest.

 

Im SprachCoaching könnte es ein Thema sein, wie du berechtigte Kritik wertschätzend formulierst und im besten Fall der Mitarbeiterin noch eine Anregung zum künftigen Verhalten mit auf den Weg gibst.

Was du nicht lernst bei mir: Wie du einen Menschen mit Sprache so manipulierst, dass er etwas tut, was er nicht will.

 

3. Empathie

Wir sprechen vom Einfühlungsvermögen, die Fähigkeit und das Interesse Gedanken, Emotionen, Absichten, Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen zu erkennen und zu verstehen. Außerdem gehört auch die Reaktion auf Emotionen anderer dazu.

 

Empathie ist das, was eine Gesellschaft im Innersten zusammenhält – also auch jede Kita, jeden Betrieb, jede Familie.

 

Im Sprach- und Kommunikationstraining probieren wir die Wirkung unterschiedlicher Formulierungen aus.

Ein Beispiel aus einem Workshop:

Sabine, eine Teilnehmerin, sagt im Rahmen einer Übung:

 

„Könntest du endlich auch mal pünktlich zur Dienstbesprechung kommen?!“

  

Eine Teilnehmerin im Workshop versetzt sich in die Mitarbeiterin und gibt eine Rückmeldung zu diesem Satz, zwei weitere beobachten und kommentieren ebenfalls. Im nächsten Schritt hat Sabine die Möglichkeit eine alternative Formulierung zu entwickeln. Es bedarf und entwickelt einiges an Empathie, um den Satz so zu formulieren, dass er von den anderen Teilnehmerinnen angenommen werden kann. 

 

4. Vertrauen

Vertrauen meint den vorbehaltlosen Glauben daran, dass man sich auf etwas oder jemanden verlassen kann.

 

Weit verbreitet ist der Spruch: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Das ist jedoch wenig zielführend, im Idealfall halten sie sich die Waage.

 

Hast du den Eindruck, in deiner Kita, deinem Betrieb, deiner Einrichtung oder Familie fehlt es an Vertrauen? Dann nimm das Wort „Vertrauen“ bewusst in deinen Sprachgebrauch auf! Notiere dir ein paar Sätze, die das Substantiv „Vertrauen“ und das dazugehörige Verb oder Adjektiv beinhalten und ein positives Bild erzeugen:

 

„Ich vertraue dir diese Aufgabe an.“

„Elke, du hast mein volles Vertrauen für dieses schwierige Elterngespräch.“

„Alina, du hast die Aufgabe mit großem Selbstvertrauen gemeistert.“

„Während meines Urlaubs übertrage ich die Verantwortung ganz vertrauensvoll an Judith.“

 

5. Nächstenliebe

Die bedingungslose Bereitschaft, für Mitmenschen mitfühlend da zu sein. Es heißt auch mit Respekt, Wertschätzung und Zuneigung zu begegnen. Das heißt jedoch nicht, alles zu billigen, sondern den anderen anzunehmen, ohne zu bewerten.

 

Sicher waren einige der teilnehmenden Leiterinnen an meiner Umfrage in einer kirchlichen Kita tätig. Doch hat vielleicht schon die ein oder andere auch von „Dienender Führung“ (Servant Leadership) als Konzept gehört. Anstatt hierarchisch zu führen, stellt sich in diesem Sinne die Führungskraft die Frage:

 

„Wie kann ich andere führen, damit sie sich persönlich weiterentwickeln, ihr Potenzial voll entfalten können, um unsere gemeinschaftlichen Ziele zu realisieren?“

 

 

Mein Fazit: Werte im Sprach- und Kommunikationstraining

Werte durchdringen mein Sprach- und Kommunikationstraining von Anfang bis Ende: 

  • es geht um deine Haltung zu den Gesprächspartner:innen
  • du kannst einzelne Werte genauer betrachten in ihrer Wort-Bedeutung
  • indem du einzelne Werte gezielt in deinen Sprachgebrauch aufnimmst, schenkst du ihnen Aufmerksamkeit
  • wir überlegen, wie du so formulieren kannst, dass deine Werte in deine Ziele einfließen

Sprache steckt an. So wie du deine Werte in die Sprache bringst, werden auch deine Gesprächspartner:innen etwas von dir aufnehmen, weitertragen, andere damit anstecken. 

 

 Dr. Theodor von Stockert, einer der Gründer des LINGVA ETERNA Sprach- und Kommunikationskonzepts sagt:

 

„Tugenden sind gelebte Werte.“

 

Daher nehme ich bei Seminaren häufig eine Tugend mit in den Blick. Es ist wertvoll, sich mit diesen Themen zu befassen. Sie haben großen Einfluss auf unser Zusammenleben und unsere Kommunikation. Wenn ich mir diese fünf meist genannten Werte nochmal anschaue, könnte es sich bei meinem nächsten Seminar für Kita-Leiterinnen um die Tugend „Wohlwollen“ handeln. Lass dich überraschen. 

 

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